Wer hätte das gedacht...?
...a bisl langweilig is scho.
...a bisl langweilig is scho.
Dieses Wochenende werde ich außer Tanke nichts machen. Ich werd meinen Arsch nicht in die Kneipe tragen, werde nicht mit den immer selben Leuten abhängen. Ich werde keinen Alkohol trinken. Einfach aus Bocklosigkeit. Ich werde die freie Zeit damit verbringen, stundenlang durch irgendwelche Tumblrblogs zu blättern. Werde mir schöne Dinge und Menschen ansehen.
Dieses Wochenende habe ich keinen Bedarf an Außenwelt. Ich hab ja Internet. Allseits ein schönes Wochenende, jedem nach seinen Vorstellungen.
Da kommt einer nach Hause. Er hat eh schon schlechte Laune. Er verzweifelt mal wieder an seinem Weltbild aber auch an sich selber. Alles kotzt ihn an, alles scheint so sinnlos. Die schönen Dinge, die romantischen, die guten passieren doch nur in seinem Kopf. Die Realität ist eine ganz andere. Viel kälter, härter und so gar nicht nach seinen Träumen. Und dann sitzt er so da, fragt sich, warum alles ist, wie es ist. Er hat keine Lust mehr.
Unten im Keller liegt das Gewehr, 3 Patronen auch. Eine würde ihm reichen aber ehrlich gesagt ist ein Gewehr unpraktisch. Um das Rohr in den Mund zu bekommen und dann den Abzug zu drücken, müsste er sich strecken, das nähme der Szene ihre pathetische Ausdruckskraft. (Und ja, es heißt "Rohr" und nicht "Lauf"). Eine Faustfeuerwaffe wäre besser anzusehen. Mmh, aber woher soll er Nachts um 4 ne Knarre bekommen? Also doch das Gewehr. Aber das liegt im Keller. Fuck.
Noch ein bisl Musik... aber morgen wird er motivierter sein.
Vater war Hubschrauberpilot in einer kleinen Firma. Damals, als financial controlling noch nicht so ernst genommen wurde, nahm er mich oft mit. Die Felder der Bauern sahen aus wie skurrile, abstrakte Gemälde, große Puzzle. Ich habe ihn angefeuert durch die Wolken zu fliegen, was er auch tat. Mit dem Hinweis auf die Gefahr, es war toll. Ich habe StratoCummulus und Cirrus Wolken angefasst. Aus dem JetRanger gespuckt. Es war wie ein Traum.
Eine der wenigen Erinnerungen, die ich an meinen Vater aus dieser Zeit habe.
Auf dem letzten Flug, Au-->Nürnberg, habe ich geschlafen, >Ich war fünf. Ich glaube, daß er mir das nie verziehen hat.
Manchmal wundere ich mich, ach Quatsch ich frage mich, was soll die ganze Scheiße? Sonntagabend kommt die Herzdame in die Tanke. Nach 3 Wochen Funkstille, sie umarmt mich, als hätte sie mich vermisst, sie strahlt. Ich bin kalt, steif. Sie erzählt mir, von ihrem Date. Heute kommt eine andere Frau an, wir könnten uns mal wieder treffen... , eine andere fragt, ob ich heute noch was vor hätte. Wieder eine andere gibt mir ihre Nummer. Freie Auswahl und ich könnte nur noch kotzen. Ja, ich weiß, ich sollte ne Viagra einwerfen und auf dem Bauch rutschend nen gefrorenen Acker umpflügen aber ich habe keinen Bock mehr. Ficken ist ne feine Sache aber gibt es denn gar nichts mehr als das?
Dieser Gedanke kam mir beim Besuch der einen Dame, mir wurde plötzlich klar, wie abgewichst ich geworden bin, was für ein abgefuckter Arsch. Nach dem Sex denke ich mir: Und das war alles was du gewollt hast? Gib mir mehr Bier. Ich bin ein Zombie geworden.
Aber das Bier tut gut. Kopfkino, Ende.
Wie bereits erwähnt und wohl auch nicht anders zu erwarten war, war das Wochenende recht emotionslos. Am Samstag, also nach dem Freitagsbesäufnis, war ich wieder los. Diesmal nur Kneipe aber ebenso langweilig. Wir waren zu viert oder zu fünft, nebenbei wechselnde Laufbekanntschaften aber irgendwie war ich nicht dabei, das Bierselige Zusammengehörigkeitsgefühl wollte sich nicht einstellen. Habe ich halt einfach so getrunken. Schuld an der Wirkungslosigkeit des tröstenden Alkohols gebe ich einem Dönerteller vom Freitagabend, den ich als Vorsichtsmaßnahme als Grundlage verspeist habe. Das Zeug war derart fettig, dass meine Magenschleimhäute für 36Stunden komplett versiegelt waren. Das Gute daran war, dass ich trinken konnte wie ein Großer und keine Folgen davongetragen habe. Nachteil war, dass sich die betäubende Wirkung auch nach rekordverdächtiger Zufuhr nicht einstellen wollte. Wenn man weiß, was für Leute da Nachts unterwegs sind, dann erkennt man das Dilemma. Naja, was solls.
Sonst gibts nicht viel. In der Tanke ist die Stimmung grandios. Meine beiden Lieblingskolleginnen nutzen jede Gelegenheit mich beim Chef anzuscheißen und ich gebe ihnen genügend Vorlagen. Würde ich mich auf dieses Niveau herablassen, hätte ich gut zu tun. Aber das ist mir zu armselig. Ich grinse einfach über ihre Dummheit. Und warte einfach auf die Landung. Ich vertrau auf Nemesis.