Nachtprogramm
Ich hatte immer ein Radio an meinem Bett. Nachdem "fünf Freunde" Kassetten zeitweilig ihren Reiz verloren hatten, war das meine "Einschlafbegleitung". Manchmal, wenn ich nicht einschlafen wollte oder konnte, habe ich das Radio genommen, über den Brustkorb gehalten und bin die gesamte Senderskala durchgegangen. Im Zimmer war es ganz dunkel, nur die Skalenbeleuchtung hat ein wenig Licht gemacht und mein Gesicht angeleuchtet. Es war wie eine Art Reise, UKW als Reise durch relativ nahes Inland und wenn ich ganz weit weg wollte, schaltete ich den kleinen Schiebeschalter auf MW. Da gab es Sprachen, von denen ich kein Wort verstand, irgendwelche Osteuropäischen Sachen. Musik, die damals Skurril aber doch interessant klang. AFN und BFBS, deren Moderatoren so anders waren als die mir bekannten deutschen Leute. Sender, die nur irgendwelche Tonfolgen und Zahlenreihen sendeten. Was war ich glücklich, als ich "Onda verde" gefunden hatte und italienischen Sendungen lauschte. Alles in dieser Dunkelheit, die alles irgendwie abenteuerlich, geheimnisvoll, konspirativ wirken ließ. Als ich einen kleinen Weltempfänger bekommen hatte, war es in manchen Nächten mit der Nachtruhe vorbei, da kamen noch arabische Sender dazu und was weiß ich noch für Sachen. Radio ist schon toll, irgendwie.
Naja, hab nur grad dran denken müssen, is halt grad dunkel.